Was ist ein automatischer Drehmomentschlüssel?

Jeder kennt das Problem: Da will man nach dem Reifenwechsel die Radschrauben fest anziehen und weiß nicht, wann der richtige – und das ist nicht unbedingt der maximale – Punkt erreicht worden ist. Denn die Zylinderkopfschrauben tolerieren diese Aufwendung von Kraft an der Ratsche nicht unbegrenzt. Ebenso wenig Muttern an anderen Verbindungen, die selbst bei solider Qualität durch zu hohe Kraftanwendung an den Ecken Abrieb zu verbüßen haben und damit den Halt in den Stecknüssen zu verlieren drohen. Beim Verschrauben von Holzteilen geht man bei Kraftaufwand schnell mit der Knarre zu weit und hat sich damit eine tiefe Einkerbung in das weiche Holz gedrückt. Allerdings ist auch ein zu zaghaftes Anziehen nicht hilfreich.

Es schont vielleicht das verwendete Material und sowie die Stecknüsse, aber eine zu lockere Verbindung kann sogar gefährliche Folgen haben – denken wir an zusammenstürzende Möbelstücke oder einen sich beim Fahren ablösenden Autoreifen. Doch nicht nur in der Werkstatt, der handwerklichen Praxis zu Hause, auch in der Industrie oder sogar der Implantationsmedizin ist präzises Verschrauben von metallischen Verbindungsteilen unerlässlich. Die wenigsten Benutzer sind in der Lage, die eigene aufgewendete physische Kondition zu kalkulieren oder zu messen, damit den vorhandenen Hebel (Grifflänge) zu verrechnen und beim Arbeiten zu berücksichtigen. Damit ist die aufgewendete Kraft ein wenig exakter Faktor und nicht kalibrierter Wert, der gegen die Präzision vorgegebener Herstellerwerte und Sicherheitsvorgaben negativen Einfluss nimmt.

Um Schäden am Material durch zu viel Kraft und unsichere Verbindungen durch zu wenig Kraft zu vermeiden, empfiehlt sich in solchen Fällen der Einsatz eines automatischen oder auslösenden Drehmomentschlüssels. Dabei verlässt sich der Anwender nicht auf sein Körpergefühl und seine zur Verfügung stehende Kraft, sondern kann das erwünschte Drehmoment voreinstellen. Dazu befindet sich häufig am Griff eine Skala, mit der über eine Hauptskala erst ein Richtwert und dann über eine Feinskala die exakte Bestimmung des Zielwert erfolgt. Die Skalierung gibt in unterschiedlich kleinen Schritten für den deutschen Markt die erreichbaren Werte in Nm vor. Andere Drehmomentschlüssel können mit Hilfe eines externen Mess- und Prüfgerätes exakt vorjustiert werden oder besitzen eine digitale Skalierung.

Man arbeitet bei diesen Drehmomentschlüsseln, wie von den rein mechanischen Werkzeugen gewohnt, ohne Umsetzen. Die Knarre lässt sich auf rechts-links-Lauf umstellen – je nach Gewinde. Wird nun beim Anziehen der voreingestellte Wert erreicht, signalisiert der automatische Drehmomentschlüssel das Erreichen der erwünschten Nm durch ein gut hörbares Geräusch, ein fühlbares Knacken oder ein sichtbares Farbzeichen am Hebel. Ein weiterer Schraubenanzug ist, für diesen Fall, nicht mehr möglich. Nach Lösen des Zielwertes kann der Drehmomentschlüssel aber sofort für die nächste Mutter oder Zylinderkopfschraube eingesetzt werden. Je nach gewünschtem Anwendungsbereich sollte man den modellabhängigen Messbereich berücksichtigen. Jedes Werkzeug kann ein anderes minimales und maximales Drehmoment besitzen – und dann sollte man mit seinem Zielwert dazwischen liegen.


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